Hybridantriebe - Strukturvarianten, Betriebsstrategien sowie deren Vor- und Nachteile

Priv.-Doz. Dr.-Ing. Jan-Welm Biermann
Dipl.-Ing. Ralf Bady
Institut für Kraftfahrwesen Aachen (ika), RWTH Aachen
5. Symposium Elektrische Straßenfahrzeuge
Technische Akademie Esslingen, 26./27. März 1998

Einführung
Strukturvarianten
Komponenten
Betriebsstrategien
Aktuelle Fahrzeugbeispiele
Zusammenfassung und Ausblick
Literatur

Einführung

In der öffentlichen, umweltpolitischen Diskussion wird die Rolle des Individualverkehrs auf Basis des Pkws zunehmend kontrovers diskutiert. Einerseits erfordert unsere moderne Gesellschaft die Mobilität des Einzelnen, andererseits treten negative Auswirkungen wie Schadstoff- und Lärmbelastung in den Vordergrund. Anders als in den Vereinigten Staaten, wo Kalifornien eine Vorreiterrolle eingenommen hat und ein Anteil von 10 % Null-Emissions- Fahrzeugen, sog. ZEV (Zero Emission Vehicle), für das Jahr 2003 bei den neuzugelassenen Kraftfahrzeugen gefordert wird, existieren in Europa noch keine Vorschriften dieser Art.
Mit Elektrofahrzeugen können ZEV-Anforderungen aufgrund ihrer lokalen Emissionsfreiheit erfüllt werden. Bei dem heutigen Stand der Batterietechnik ist es aber auf absehbare Zeit nicht möglich, Elektrofahrzeuge darzustellen, die die üblichen Anforderungen an Pkw erfüllen. Wenn auch die Fahrleistungen von Elektrofahrzeugen für den Stadtverkehr ausreichend sind, genügen Reichweite und Höchstgeschwindigkeit nicht für den universellen Einsatz. Mit Brennstoffzellen betriebene Elektrofahrzeuge können in der Zukunft die mit der Batterietechnik verbundenen Probleme reiner Elektrofahrzeuge vermeiden, doch sind auch hier noch viele Fragestellungen und Probleme hinsichtlich Komplexität des Systems, Systemgröße und insbesondere Systemkosten zu lösen. Eine interessante Alternative stellt vor diesem Hintergrund der Hybridantrieb dar. Definitionsgemäß besteht ein Hybridantrieb aus zwei unterschiedlichen Antriebssystemen, d.h. aus mindestens zwei Energiewandlern und -speichern. Diese Definition läßt erkennen, daß der Begriff Hybridantrieb prinzipiell eine Vielzahl von möglichen Varianten umfaßt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, werden vorzugsweise elektrische Antriebe mit Verbrennungskraftmaschinen kombiniert.
Der Hybridantrieb an sich ist keine neue Entwicklung, sondern schon fast seit dem Beginn der Automobilisierung bekannt. Anfang des 20.Jahrhunderts spielten insbesondere in den Vereinigten Staaten Elektrofahrzeuge eine große Rolle. Um die Jahrhundertwende waren dort mehr Elektrofahrzeuge zugelassen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Im Vergleich zu den damals noch nicht ausgereiften, unzuverlässigen Verbrennungskraftmaschinen - von Hand zu starten und im Betrieb mit großer Lärm- und Abgasentwicklung verbunden - war die einfache Handhabung der Elektrofahrzeuge ein entscheidender Vorteil. Auch damals gab es schon die ersten Ansätze, die Vorteile elektrischer Maschinen (insbesondere ihre gute Regelbarkeit) mit denen von Verbrennungsmotoren zu kombinieren. Als Beispiel sei der im Jahr 1900 auf der Weltausstellung in Paris vorgestellte, vom 25- jährigen Ferdinand Porsche konstruierte Lohner-Porsche genannt. Bei diesem Fahrzeug war ein Generator an einen Benzinmotor gekoppelt, der vier als Radnabenmotoren in den Rädern installierte Elektromaschinen mit elektrischer Energie versorgte. Dieses war somit eines der ersten Fahrzeuge mit Allradantrieb und im weiteren Sinne eines der ersten Hybridfahrzeuge. Im Fortgang der schnell ansteigenden Automobilisierung führten jedoch die vielen offensichtlichen Vorteile, die der Verbrennungsmotor im Laufe seiner Entwicklung mit sich brachte dazu, daß heutige Kraftfahrzeuge weltweit fast ausschließlich von Otto- und Dieselmotoren angetrieben werden. Die Energiekrisen-Diskussionen in den 70er Jahren oder besser gesagt die Erkenntnis der nicht unproblematischen Abhängigkeit des Kfz-Verkehrs vom (Nahost-) Erdöl führte derzeit zu verstärkten FuE-Aktivitäten auf dem Gebiet der Hybridantriebe. Ansatzpunkt war hier die Möglichkeit der Kraftstoff- bzw. Erdöleinsparung durch die Kombination eines Verbrennungsmotors mit einem Elektroantrieb. Abb. 1 zeigt einige Beispiele [HEL76].


Abb. 1

Umwelt durch Schadstoffe wie Kohlenmonoxid, Stickoxide und unverbrannte Kohlenwasserstoffe im Vordergrund. Auch die Möglichkeit der Verbrauchsreduktion und somit der Verringerung von Kohlendioxidemissionen war und ist ein wichtiges Thema. Gesetzgebungen in den USA, die ZEV- Fahrzeuge und extrem schadstoffarme Fahrzeuge (Low Emission Vehicle, LEV) fordern, haben die Diskussion um Hybridfahrzeuge ebenfalls deutlich forciert.
Obwohl die aktuelle LEV-Gesetzgebung in Kalifornien bisher keine besondere Berücksichtigung für Hybridfahrzeuge vorsieht, werden in den USA Hybridantriebskonzepte sowie deren Komponenten intensiv in einem seit 1993 laufenden, vom DoE (Department of Energy) geförderten Hybrid Propulsion System Development Program sowie im Rahmen des in 1994 initiierten Partnership for a New Generation of Vehicles (PNGV) entwickelt und erprobt. In den 80er und 90er Jahren stand die Belastung der Eine Änderung sieht hier der im Dezember 1997 vorgelegte Vorschlag für die ab 2004 vorgesehene LEV II-Gesetzgebung vor, indem Hybridfahrzeuge unter bestimmten Randbedingungen bis zu 50% ZEV-credits erhalten können und somit den gefordeten Anteil reiner E-Fahrzeuge verringern können. [WAL98]
Aus Sicht der batteriegetriebenen Elektrofahrzeuge erscheint die Kombination von Verbrennungsmotor und Elektromaschine zu einem Hybridantrieb sinnvoll, da so die Vorteile beider Antriebsarten wie z.B. hohe Reichweite, schnelles Nachtanken, Rückgewinnung der Bremsenergie (Rekuperation), Nutzung regenerativer Energiequellen sowie emissionsfreier Betrieb nutzbar sind. Aus Sicht der verbrennungsmotorisch angetriebenen Fahrzeuge erscheint die Kombination mit einem Elektroantrieb sinnvoll, da ein entkoppelter Betrieb des Verbrennungsmotors vom Fahrleistungsbedarf ermöglicht wird, und somit z.B. der Betrieb im wirkungsgradungünstigen Teillastbereich vermieden werden kann. Ein Hybridantrieb kann jedoch nicht einfach die Addition zweier Antriebe in einem Fahrzeug sein; vielmehr müssen durch geeignete Kombination und Dimensionierung die Vorteile der einzelnen Antriebe genutzt und die Schwachstellen vermieden werden. Hierdurch wird die Möglichkeit sowohl zu Verbrauchs- und Emissionsreduktionen als auch zu lokal emissionsfreiem Fahren gegeben. Je nach Einsatzzweck sind so unterschiedlichste Lösungen denkbar [HAR93].

Strukturvarianten

Zu differenzieren sind zwei Grundstrukturen für Hybridantriebe mit unterschiedlichen Potentialen und Problemen: parallele und serielle Konzepte (Abb. 2). Zudem ergeben sich auch Mischformen aus beiden Grundstrukturen. Beim parallelen Hybrid sind Verbrennungsmotor und Elektromotor mechanisch mit den Antriebsrädern gekoppelt (Abb. 3).


Abb. 2


Abb. 3

Solche Konzepte beinhalten neben den beiden Antriebsmotoren und Speichern ein oder auch mehrere Getriebe, Kupplungen oder Freiläufe. Die beiden Antriebssysteme können sowohl jeweils einzeln als auch gleichzeitig zum Vortrieb des Fahrzeugs genutzt werden. Aufgrund der Leistungsaddition können beide Motoren relativ klein ausgelegt werden, ohne daß Einbußen beim Beschleunigen oder an Steigungen vorhanden sind. Üblicherweise wird so der elektrische Antriebszweig für den Stadtverkehr ausgelegt (begrenzter, emissionsfreier Fahrbetrieb), während der leistungsstärkere Verbrennungsmotor für Überlandverkehr und auf Autobahnen genutzt wird. Die abgegebenen Leistungen von Elektro- und Verbrennungsmotor können mechanisch mittels Drehzahladdition (mit einem Planetengetriebe), Momentenaddition (mit Stirnradgetriebe oder Kette) oder Zugkraftaddition (Elektromotor und Verbrennungsmotor wirken auf unterschiedliche Antriebsachsen) überlagert werden. Bei der Momentenaddition läßt sich das Verhältnis der Drehmomente der beiden Energiewandler frei variieren, während die Drehzahlen in starrem Verhältnis zueinanderstehen. Eine Entkopplung der beiden Antriebssysteme kann über einen Freilauf oder eine Kupplung realisiert werden. Bei der Drehzahladdition werden die Leistungen der Energiewandler mittels eines Planetengetriebes zusammengeführt, wobei das Momentenverhältnis starr durch die Übersetzungen des Getriebes vorgegeben ist. Die Drehzahlen der Antriebssysteme können frei gewählt werden. Bei einem Hybrid mit Zugkraftaddition handelt es sich im physikalischen Sinne ebenfalls um eine Momentenaddition, wobei die beiden Energiewandler auf unterschiedliche Achsen des Fahrzeugs wirken (z.B. elektrischer Antrieb auf Vorderachse, Verbrennungmotor auf Hinterachse).
Eine weitere Möglichkeit zur Unterscheidung paralleler Hybride besteht in der Anordnung der Energiewandler. Wirken beide Antriebssysteme (Elektromotor und Verbrennungsmotor) auf die Getriebeeingangswelle, so spricht man von einem Einwellenhybrid. Dagegen spricht man von einem Zweiwellenhybrid, wenn Verbrennungs- und Elektromotor auf unterschiedlichen Getriebewellen (Getriebe- Ein- bzw. -Ausgangswelle) angeordnet sind.
Kennzeichen serieller Hybridantriebe ist die Reihenschaltung der Energiewandler ohne mechanische Anbindung des Verbrennungsmotors an die Antriebsräder (Abb. 3). Der Verbrennungsmotor treibt hierbei einen Generator an, der seinerseits den elektrischen Fahrantrieb sowie einen im elektrischen Zwischenkreis angeordneten Speicher (in der Regel Batterie) mit Energie versorgt. Es existieren sowohl Varianten mit einem Fahrmotor und Differential als auch Konzepte mit zwei Fahrmotoren pro Achse unter Wegfall des Differentials bis hin zu Radnabenfahrmotoren (Abb. 4) .



Abb. 4

Die Dimensionierung der Generatoreinheit und des Speichers richtet sich nach der Betriebs- und Ladestrategie, einer eventuell gewünschten Netzunabhänigkeit (hohe Ladeleistung erforderlich), der Reichweite und den Fahrleistungen. Der höhere Bauaufwand durch den zusätzlichen Generator wird weitgehend durch den Wegfall des Schaltgetriebes kompensiert. Die nicht vorhandene mechanische Anbindung des Verbrennungsmotors an die Antriebsräder ermöglicht eine hohe Flexibilität bei der Anordnung der Komponenten. Im Vergleich zum Elektrofahrzeug kann die Batterie kleiner dimensioniert werden und die Verfügbarkeit des Fahrzeugs durch die Nachladung on-board oder reinen Generatorbetrieb erhöht werden. Für die Dimensionierung des elektrischen Fahrantriebs ist zu beachten, daß dieser die gesamte Leistung bereitstellen muß, die für die gewünschte Beschleunigung oder Steigfähigkeit benötigt wird.

Dieser Zusammenhang begründet auch die Tatsache, daß in den 70er und 80er Jahren vornehmlich parallele Hybridantriebe realisiert wurden, da keine Elektromotoren mit entsprechend hoher Leistungsdichte und hohem Wirkungsgrad verfügbar waren. Durch die mechanische Entkopplung kann der Verbrennungsmotor phlegmatisiert (in der Dynamik eingeschränkt) mit einem zeitlich gemittelten Leistungsbedarf oder auf einer Kennlinie günstigsten Kraftstoffverbrauchs betrieben werden und muß deshalb nicht unbedingt auf die maximal benötigte Leistung ausgelegt werden. Im Extremfall wird er nur noch in einem, nach Emissions- oder Verbrauchsgesichtspunkten ausgewählten Betriebspunkt betrieben. Insbesondere durch den Wegfall dynamischer Betriebsvorgänge können die Emissionen stark reduziert werden. Komfortvorteile entstehen durch den durchgängig zugkraftunterbrechungsfreien rein elektrischen Antrieb, wobei jedoch eine betriebspunktentkoppelte Betriebsweise des Verbrennungsmotors durch das ungewohnte Geräuschniveau vom Fahrer als ungewohnt und unkomfortabel empfunden werden kann.
Nachteilig bei seriellen Hybridantrieben ist die doppelte Energiewandlung mechanisch, elektrisch und umgekehrt, eventuell noch verbunden mit einer Speicherung, und die damit entsprechend ungünstige lange Wirkungsgradkette. Häufig ergibt sich aus der begrenzten Leistungsfähigkeit der Batterie der Zwang, den Verbrennungsmotor zumindest teilweise transient zu betreiben, um Leistungsspitzen bei Steigungsfahrt oder Beschleunigungen abzudecken. Dies kann den Emissions- und Verbrauchsvorteil einschränken und eine Anpassung des Motors an den stationären Betrieb (einfaches Motormanagement und Bauweise) verhindern. Eine Mischform zwischen parallelen und seriellen Strukturen ist der sogenannte kombinierte oder leistungsverzweigende Hybrid (Abb. 4). Beim kombinierten Hybrid besteht die Möglichkeit durch Schließen einer Kupplung direkt die Leistung des Verbrennungsmotors mechanisch an die Räder zu übertragen, was in bestimmten Betriebszuständen (z.B. hoher Leistungsbedarf bei Autobahnfahrt) eine Verbesserung des Gesamtwirkungsgrades ermöglicht. Gleichzeitig können beide Elektromotoren wie bei einem parallelen Hybrid noch zusätzlich ihre Leistung abgeben und so kurzzeitig die Spitzenleistung erhöhen. Dem verbesserten Wirkungsgrad steht der höhere Aufwand durch die Kupplung und die komplexere Betriebsstrategie gegenüber. Weiterhin kann die Anordnung von Verbrennungsmotor und Generator nicht mehr frei gewählt werden, da eine direkte mechanische Ankopplung an den Antriebsstrang erfolgen muß.
Eine weitere, allerdings sehr komplexe Möglichkeit stellen leistungsverzweigende Hybridantriebe dar. Bei diesen Strukturen wird ein Teil der Leistung des Verbrennungsmotors direkt mechanisch an die Antriebsräder übertragen; die restliche Leistung gelangt z.B. über ein Planetengetriebe und zwei Elektromotoren an die Antriebsräder. Zur Energiespeicherung wird zudem i.a. eine Batterie eingesetzt. Mit dieser Anordnung der Elektromotoren agiert das System als stufenlos verstellbares Getriebe, so daß kein zusätzliches Getriebe für den Verbrennungsmotor notwendig ist. Der Verbrennungsmotor kann prinzipiell drehzahl- und leistungsunabhängig vom übrigen Antrieb betrieben werden. Der Wirkungsgrad kann aufgrund der teilweise direkten mechanischen Leistungsübertragung besser sein als bei seriellen Strukturen. Neben den grundsätzlichen Hybridstrukturen läßt sich noch zusätzlich nach der Größe der installierten elektrischen Leistung sowie der gespeicherten elektrischen Energie unterscheiden (Abb. 5).




Abb. 5

Parallele Hybride mit geringer installierter Leistung und kleinem elektrischen Energiespeicher bezeichnet man auch als Starter/Generator-Hybrid . Ist die elektrische Leistung etwas höher dimensioniert, spricht man von einem Power Assist Hybrid oder auch, bezogen auf den Energieinhalt des elektrischen Energiespeichers, von einem Low Storage Hybrid (Kleinspeicherhybrid).
Der serielle Hybrid mit großer Batterie und kleiner Stromerzeugungseinheit, oftmals als Auxiliary Power Unit (APU) betitelt, wird als Range Extender bezeichnet. Ist der Energieinhalt der Batterie gering bemessen, folglich die emissionsfreie Reichweite gering, spricht man ebenfalls von einem Low Storage Hybrid.
Ist gar kein Speicher im elektrischen Zwischenkreis integriert, erhält man eine Anordnung mit elektrischem IVT (invinite variable transmission).Abb. 6 zeigt ein Versuchsfahrzeug mit entsprechender Leistungsübertragung.

Abb. 6

Auch bei Brennstoffzellenfahrzeugen mit zusätzlichem elektrischen Energiespeicher handelt es sich im weiteren Sinne um serielle Hybridfahrzeuge. Hybridantriebe, deren elektrischer Energiespeicher nicht aus dem Stromnetz aufgeladen werden kann, bezeichnet man als autarke Hybride. Hier unter der Vielzahl der Möglichkeiten die optimale Auslegung zu finden, um die Vorteile beider Antriebsarten zu kombinieren, Synergieeffekte zu nutzen und das systemimanente Problem des doppelten Antriebs (Gewicht, Raumbedarf, Kosten, Komplexität) zu lösen, bedarf einer genauen Analyse der Randbedingungen. Es liegt in der Komplexität der Materie, daß statt der optimalen Nutzung und Kombination der Vorteile im Falle nicht umsichtiger Entwicklung genau das Gegenteil die Summierung der Nachteile, erreicht werden kann.

Komponenten

Aufgrund der vom konventionellen Fahrzeug abweichenden Einsatzbedingungen bedarf es bei den Komponenten eines Hybridantriebs (Antriebs-, Hilfs- und Komfortaggregate) einer speziellen Anpassung. Wie bei Elektrofahrzeugen müssen Aggregate wie z.B. Lenkhilfepumpe oder Bremskraftverstärkung vom Antrieb entkoppelt, elektrisch betrieben werden. Auch für die Klimatisierung eines Hybridfahrzeugs sind aufgrund der nicht kontinuierlichen Betriebsweise der Verbrennungskraftmaschine entsprechende Zusatzsysteme, z.B. elektrisch betriebene Wärmepumpen, zu installieren. Nachteilig hinsichtlich Emissionen ist bei Hybridfahrzeugen auch die sog. Kaltstartphase. Grundsätzlich bieten Hybridfahrzeuge mit einem leistungsstarken Energiespeicher hier die Möglichkeit sowohl die Verbrennungskraftmaschine als auch die Abgasnachbehandlungskomponenten thermisch vorzukonditionieren, um so erhöhte Kaltstartemissionen zu vermeiden. Hierbei kann bereits rein elektrisch gefahren werden. Auch bei intermittierendem Motorbetrieb (an/aus) kann der Katalysator so konditioniert werden.

Verbrennungsmotoren

Als Verbrennungsmotoren kommen insbesondere hochmoderne Otto- sowie sehr sparsame Dieselmotoren mit Direkteinspritzung und Turboaufladung in Frage (Abb. 7).

Abb. 7

Aufgrund der besonderen Betriebsart sind die Verbrennungsmotoren in parallelen Hybridkonzepten in der Regel vergleichbar klein dimensioniert. Bei seriellen Hybridantrieben entscheidet die Dimensionierung des elektrischen Energiespeichers über die notwendige Leistung der Verbrennungskraftmaschine. Der spezifisch schlechtere Kraftstoffverbrauch des Ottomotors im Teillastbereich kann durch die besondere Betriebsweise im Hybridbetrieb oftmals vermieden werden. Mittels moderner Abgasreinigungstechnologie in Verbindung mit der besonderen, zum Teil stationären Betriebsweise der Verbrennungsmotoren im Hybridantrieb lassen sich vergleichsweise geringe Emissionswerte erzielen. Aufgrund seiner qualitativen Regelung und des damit verbundenen Wegfalls der Drosselklappe erreicht der Dieselmotor insbesondere im Teillastbetrieb deutlich bessere spezifische Kraftstoffverbräuche als ein Ottomotor.
Bei den Emissionen hat der Dieselmotor aufgrund der im Abgas enthaltenen Partikel und Stickoxide, wobei die katalytische Reduktion aufgrund des Luftüberschusses erschwert wird, noch Nachteile gegenüber dem Ottomotor. Auch bei den Komfortansprüchen weist der direkteinspritzende Dieselmotor aufgrund des Verbrennungsgeräusches heute noch Nachteile auf; diese sind jedoch bei einer seriellen Anordnung aufgrund der einfachen Möglichkeit der Motorkapselung von untergeordneter Wichtigkeit.
Die mechanische Entkopplung von Verbrennungskraftmaschine und Fahrantrieb im seriellen Hybrid ermöglicht auch den Einsatz von Verbrennungskraftmaschinen mit schlechtem Instationärverhalten, deren Einsatz in konventionellen Fahrzeugen normalerweise nicht möglich ist. Stirlingmotoren und Gasturbinen bieten mit ihren aufgrund der kontinuierlichen Verbrennung niedrigen Emissionen ein großes Potential, extrem schadstoffarme Fahrzeuge zu realisieren. Der relativ hohe Teillastverbrauch von Gasturbinen kann durch die spezielle Betriebsweise im seriellen Hybrid vermieden werden. Komfortansprüchen wird die Gasturbine durch ihren schwingungsarmen Lauf gerecht. Durch die hohe spezifische Leistungsdichte der Gasturbine kann der Bauraum relativ klein gehalten werden; die Vielstoffähigkeit erlaubt darüber hinaus den Einsatz unterschiedlicher Kraftstoffe. Der Stirlingmotor, der eine (kontinuierliche) äußere Verbrennung ermöglicht, kann ähnliche Vorteile wie die Gasturbine bezüglich niedriger Emissionen, Laufgeräusch, Haltbarkeit und Vielstoffähigkeit aufweisen. Darüber hinaus verfügt er allerdings über einen deutlich besseren Wirkungsgrad. Durch die bisherigen Anwendungen des Stirlingmotors hauptsächlich im stationären Bereich sind die Abmessungen der verfügbaren Maschinen für die Kraftfahrzeuganwendung bislang jedoch eher ungeeignet.

Elektromaschinen

Je nach Hybridkonzept kommen verschiedene Bauarten von Elektromaschinen in Frage (Abb. 8).


Abb. 8

Aufgrund der besseren Wirkungsgrade werden heute fast ausschließlich Drehstrommotoren sowohl in asynchroner als auch synchroner Bauart eingesetzt. Sehr hohe Wirkungsgrade lassen sich mit permanent erregten Maschinen erzielen; die dort bisher eingesetzten Dauermagneten sind allerdings noch sehr kostenintensiv. Weitere Sonderbauformen wie der Transversalflußmotor oder auch der Reluktanzmotor befinden sich noch in der Entwicklung und sind daher für eine kurzfristige (Serien-) Anwendung noch nicht verfügbar. Je nach Konzept lassen sich die Elektromaschinen an unterschiedlichen Stellen im Antriebsstrang anordnen. Möglichkeiten ergeben sich durch die einfache Ankopplung per Getriebe, der direkten Integration in das Getriebe oder der Transaxle-Bauform.
Eine spezielle Bauform ist der Radnabenantrieb (Integration des Elektroantriebs direkt in die Radnabe). Vorteile entstehen hier aufgrund der Substitution des Getriebes und der Differentiale sowie der Integrationsmöglichkeit von Allradantrieb, ABS, ASR und Fahrstabilitätsregelung.
Grundsätzlich können in Hybridantrieben alle bekannten Getriebearten eingesetzt werden. Eine wesentliche Rolle spielen sie nur bei parallelen und Misch- Hybridstrukturen. Konventionelle Automatikgetriebe sind aufgrund der Wandlerverluste kaum empfehlenswert. Großes Interesse ist hingegen automatisierten Stufengetrieben entgegenzubringen. Bei bislang realisierten Hybrid-Fahrzeugen kommen häufig halbautomatische Getriebe zum Einsatz, bei denen die Kupplung automatisiert ist und auch das Wechseln der Antriebsart (elektrisch, verbrennungsmotorisch) über Kupplungen und Freiläufe automatisch erfolgt. Eine weitere Möglichkeit stellen stufenlos verstellbare Getriebe (cvt: continuous variable transmission) dar, die es ermöglichen den Verbrennungsmotor weitgehend in optimalen Betriebsbereichen bei niedriger Drehzahl und hoher Last zu betreiben. Für eine leistungsverzweigende Antriebsstruktur eignen sich in erster Linie Planentengetriebe und auch cvt-Getriebe .

Speicher

Ähnlich wie bei Elektrofahrzeugen ist auch bei Hybridfahrzeugen der Energiespeicher von besonderer Bedeutung. Auswahlkriterien sind auch hier Energiedichte, Leistungsdichte, zyklische Lebensdauer, energetischer Wirkungsgrad, Selbstentladung, Umweltverträglichkeit, Kosten und Verfügbarkeit. Hauptanforderung für den Einsatz in Hybridantrieben ist eine möglichst hohe verfügbare Leistungsdichte, um mit einer möglichst kleinen und leichten Batterie die hochdynamischen Entlade-/Ladevorgänge (insbesondere bei der Bremsenergierückgewinnung) zu erreichen. Gleichzeitig muß die Batterie über eine hinreichend große Energiedichte verfügen, um eine genügende emissionsfreie Reichweite, sofern im Konzept vorgesehen, zu ermöglichen. Je nach Hybridkonzept (parallel, seriell), geforderter emissionsfreier Reichweite (Anforderung an Energieinhalt) und installierter elektrischer Leistung (Anforderung an Leistungsdichte) eignen sich unterschiedlichste Systeme (Abb. 9).

Abb. 9

Den Forderungen nach hoher Leistungsdichte bei gleichzeitig hohem Energieinhalt kommen derzeit Nickel- basierte Systeme wie z.B. Nickel- Cadmium- oder Nickel-Metallhydrid- Batterien am ehesten entgegen. Letztere vermeiden das toxische Schwermetall Cadmium und weisen bessere Leistungsdaten auf. Die Bleibatterie ist insbesondere aus Gründen wie Kosten und Verfügbarkeit weiterhin eine ernstzunehmende Alternative. In bipolarer Ausführung werden sehr hohe Leistungsdichten erreicht.Hochtemperatursysteme wie z.B. Natrium-Nickelchlorid-Batterien kommen, wenn überhaupt, für serielle Konzepte (z.B. Range Extender) in Frage, wobei die im Vergleich zu NiCd oder NiMH niedrigere Leistungsdichte zu zwangsweise größeren Batteriesätzen führt. Für Hybridsysteme, bei denen die Batterie nicht ständig genutzt wird, ist dieses System aufgrund der Temperierungsverluste eher ungeeignet.
Lithium-Systeme (Li-Ion, Lithium-Polymer), die sich sowohl durch eine hohe Leistungs- als auch Energiedichte auszeichnen, sind noch in der Entwicklungsphase, prinzipiell jedoch auch für die Hybridanwendung geeignet. Für die Lithium-Polymer Batterie, die ebenfalls temperiert werden muß (Betriebstemperatur 80°C), ist die Eignung in gleicher Weise wie bei anderen entsprechend verlustbehafteten Systemen eingeschränkt. Als weitere Energiespeicher sind elektrische Schwungräder und Superkondensatoren zu nennen, die sich primär für Anwendungen mit hohem kurzzeitigen Leistungsbedarf eignen. Während sich letztere noch im Entwicklungsstadium befinden, werden Schwungräder bereits mit Erfolg bei Standardlinienbussen eingesetzt [NEO96].

Betriebsstrategien

Die Betriebsstrategie eines Hybridantriebs beinhaltet die logische und zeitliche Abfolge aller Betriebszustände, d.h. wann welche Komponente des Antriebs wie betrieben wird.
Die prinzipiell unterschiedlichen Anordnungen der Energiewandler bei parallelen und seriellen Hybriden ermöglichen entsprechend unterschiedliche Betriebsstrategien.
Zunächst kann man zwischen den Betriebsmodi rein elektrisch, rein verbrennungsmotorisch oder Hybridbetrieb (beide Antriebssystem aktiv) beim parallelen Hybrid oder rein elektrisch bzw. Hybridbetrieb beim seriellen Hybrid unterscheiden. Die Wahl zwischen diesen Betriebsarten liegt in der Regel im Einflußbereich des Fahrers (Betriebsartenschalter). Ziel aller Strategien im Hybridbetrieb ist es, durch die geeignete Kombination der Betriebsweise der Einzelkomponenten den gesamten Antriebsstrang möglichst verbrauchs- und emissionsoptimiert zu betreiben. Hieraus ergeben sich eine große Anzahl an Lösungsmöglichkeiten, wobei die Menge der beeinflussenden Parameter (z.B. Geräusch, Beschleunigung, begrenzte elektrische Leistung und Energie, Batterieladezustand) auch zu einer Vielzahl an Zielkonflikten führt. Einige Strategien sollen im folgenden anhand von Beispielen dargestellt werden. Die Betriebsstrategien werden in erster Linie durch die Betriebsart des Verbrennungsmotors bestimmt (Abb. 10).

Abb. 10

Hierbei kann man bezogen auf Lastkollektiv und Leistungsabgabe der Wärmekraftmaschine zunächst verschiedene Arten unterscheiden. Prinzipiell beruht die Betriebsoptimierung des Verbrennungsmotors in Hybridantrieben darauf, daß sich das Lastkollektiv beeinflussen läßt (Vermeidung des Teillastbereichs). Hierbei kann man zwei Klassen unterscheiden. Zum einen sind Strategien denkbar, bei denen der Verbrennungsmotor dem aktuellen Leistungsbedarf des Fahrzeugs folgt; zum anderen besteht die Möglichkeit den Verbrennungsmotor in Betriebspunkten zu betreiben, in denen die abgegebene Leistung deutlich vom momentanen Leistungsbedarf des Fahrzeugs abweicht. Entsprechend dieser Klassifikation lassen sich die unterschiedlichen Antriebsstrangkonfigurationen zuweisen, die eine entsprechende Strategie unter Last- und Leistungsvariation ermöglichen (Abb. 11).

Abb. 11

Bei konventionellen Antrieben läßt sich das Lastkollektiv nur durch Veränderung der Schaltpunkte variieren. Einen zusätzlichen Freiheitsgrad bringt allenfalls die Verwendung eines stufenlosen Getriebes. Bei parallelen Hybriden kann man zwar die Leistung des Verbrennungsmotors unabhängig von der Leistungsanforderung des Antriebs verändern, jedoch liegt immer die Drehzahl (bei Momentenaddition) oder das Moment (bei Drehzahladdition) fest. Serielle Hybride geben aufgrund der vollständigen mechanischen Entkopplung die größtmögliche Freiheit bezüglich der Betriebsweise der Verbrennungskraftmaschine. So lassen sich die Bereiche, in denen der Motor betrieben wird, in dessen Kennfeld frei festlegen. Der Verbrennungsmotor kann entweder dem aktuellen Leistungsbedarf folgend, stationär, intermittierend oder phlegmatisiert, d.h. mit beschränkter Dynamik z.B. mit einem zeitlich gemittelten Leistungsbedarf, betrieben werden, wobei besonders emissions- oder verbrauchsgünstige Betriebsbereiche oder -kennlinien gewählt werden können.
Als Führungsgrößen für eine Betriebsstrategie bieten sich eine Vielzahl von Parametern an. Im wesentlichen sind dieses der momentane oder über eine Periode gemittelte Leistungsbedarf des Fahrzeugs, die Fahrzeuggeschwindigkeit, der Ladezustand des elektrischen Energiespeichers, Zeitkonstanten (z.B. min. Zuschaltzeit des Verbrennungsmotors) und Betriebstemperaturen (z.B. Katalysatortemperatur). In der Praxis kommen diese Einflußgrößen häufig kombiniert zum Einsatz (mehrdimensionale Betriebsstrategiefelder). Ziel der Betriebsstrategie eines seriellen Hybrids ist es einerseits den Verbrennungsmotor möglichst dauerhaft in seinem Bestpunkt (Verbrauch, Emissionen) zu betreiben, welches eine Ein- oder Mehrpunktstrategie bedeutet, andererseits aber auch möglichst wenig Energie im elektrischen Speicher zwischenzuspeichern, um die Wirkungsgradverluste gering zu halten. Keine Energie muß theoretisch gespeichert werden, wenn man dem Leistungsbedarf folgend den Verbrennungsmotor auf seiner Linie minimalen Kraftstoffverbrauchs betreibt. Dieses bewirkt jedoch wiederum, daß der Motor nicht ständig in seinem Bestpunkt arbeitet. Ausgehend von nur einer Einflußgröße (Leistungsbedarf) zeigt dieses Beispiel die vielfältigen Zielkonflikte, die bei der Generierung bzw. Implementierung einer Betriebsstrategie entstehen können. Beispielhaft soll hier eine Strategie betrachtet werden, bei der der Verbrennungsmotor dem Leistungsbedarf des Antriebs folgend soweit wie möglich auf der Kennlinie des minimalen Kraftstoffverbrauchs betrieben wird (Abb. 12). Das hieraus resultierende Lastkollektiv ist in Abb. 13 dem bei gleichem Zyklus entstehenden Lastkollektiv des konventionellen Betriebs gegenübergestellt.

Abb. 12


Abb. 13

Beim Verbrennungsmotor lassen sich durch diese Betriebsstrategie sowohl Kraftstoffreduktionen als auch bei den meisten Schadstoffen Vorteile nachweisen. Aufgrund der hohen Betriebsanteile bei hoher Last entstehen sowohl beim Ottomotor als auch insbesondere beim Dieselmotor Nachteile bei den Stickoxidemissionen. In der Abb. 14 sind ausschließlich die Vor- und Nachteile bei alleiniger Betrachtung des Verbrennungsmotors dargestellt. Verluste durch die Energiewandlung mechanisch - elektrisch -mechanisch sind ebenso wenig berücksichtigt wie ein Mehrverbrauch aufgrund eines höheren Fahrzeuggewichts. Eine andere, mehrdimensionale Betriebsstrategie für einen seriellen Hybrid zeigt die Abb. 15.

Abb. 14


Abb. 15

Hierbei sind Ein-Punkt-Betrieb und phlegmatisierter Betrieb des Verbrennungsmotors in einer Strategie zusammengeführt. Den phlegmatisierten Betrieb des Verbrennungsmotors zeigt Abb. 16 für einen Zyklusausschnitt.

Abb. 16

Man sieht deutlich wie die gemittelte Leistungsabgabe des Verbrennungsmotors (Generatorausgangsleistung) dem aktuellen Leistungsbedarf des Antriebs (E-Motoreneingangsleistung) folgt. Ab Sekunde 260 ist darüber hinaus im Zustand der Rekuperation (Schwungrad nimmt Bremsenergie auf) ein Ein-Punkt- Betrieb erkennbar. [GÖH97] Bei parallelen Hybriden besteht die Möglichkeit aufgrund des grundsätzlich unterschiedlichen Kennfeldes von Elektromotor und Verbrennungsmotor die Komponenten so zu betreiben, daß möglichst für jede Fahrsituation ein Optimum hinsichtlich des Primärenergiebedarfs gefunden wird. Hierbei muß der Elektromotor möglichst dann aktiv sein, wenn der Verbrennungsmotor in einem wirkungsgradungünstigeren Teillastbereich arbeiten würde.
Die Überlagerung der Wirkungsgradkennfelder von Elektro- und Verbrennungsmotor (Abb. 17) zeigt, daß sich beide Systeme hierbei hervorragend ergänzen. Eine denkbare Strategie ist einen möglichst geringen Energiebedarf des Gesamtsystems dadurch zu erreichen, daß das Fahrzeug unter stationären Bedingungen nur von einem Motor angetrieben wird, wobei zusätzlich aus Komfortgründen auf häufige Betriebswechsel verzichtet werden soll. In Abb. 18 ist hierzu der Primärenergiewirkungsgrad eines parallelen Hybridantriebs mit automatischem 4-Gang-Getriebe für den stationären Betrieb über der Geschwindigkeit aufgetragen.

Abb. 17


Abb. 18

Im 1. und 2. Gang ist aufgrund des schlechten Teillastwirkungsgrads der Elektromotor im Vorteil, während im 3. und 4. Gang der Verbrennungsmotor vorzuziehen ist. Hieraus läßt sich eine Betriebsstrategie ableiten, die in Abb. 19 dargestellt ist.

Abb. 19

Bei positiver Leistungsanforderung ist die Leistungsaufteilung geschwindigkeitsabhängig. Obwohl der Verbrennungsmotor im 3. Gang bereits ab 30 km/h Wirkungsgradvorteile aufweist, wird das Fahrzeug aufgrund des schlechten Beschleunigungsvermögens durch den Verbrennungsmotor in diesem Betriebspunkt weiterhin bis zu einer Geschwindigkeit von 65 km/h rein elektrisch angetrieben, solange die Anforderungsleistung 40 kW nicht überschreitet. Erst bei Überschreiten der 40 kW wird der Verbrennungsmotor als Leistungsbooster automatisch zugeschaltet und seine Leistung drehmomentaddierend überlagert. Oberhalb von 65 km/h wird automatisch vom Elektro- auf den Verbrennungsmotor umgeschaltet. Das Fahrzeug verhält sich dann wie ein konventionelles Fahrzeug, solange die Anforderungsleistung 50 kW nicht überschreitet.
Über 50 kW Anforderungsleistung wird der Elektromotor hinzugeschaltet. Um ein schnelles Entladen der Batterie zu vermeiden, wird die Elektromotorleistung ab einer Geschwindigkeit von 120 km/h linear auf 0 kW bei 130 km/h reduziert. Beim Übergang vom Elektro- zum Verbrennungsmotor und zurück ist eine Hysterese integriert, die ein unkontrolliertes und häufiges Hin- und Herschalten zwischen den Motoren verhindert. Während einer Bremsung wird möglichst die komplette installierte elektrische Leistung für die Rekuperation genutzt. Die unterschiedlichen Drehzahl-Drehmoment-Charakteristika der beiden Maschinen werden durch unterschiedliche Schaltstrategien im Elektro-, Hybrid- und Verbrennungsmotorbetrieb berücksichtigt. [BUS94], [BUC96] Eine andere mögliche Betriebsstrategie zielt darauf ab, den Energiebedarf des Fahrzeugs dadurch zu reduzieren, daß der Verbrennungsmotor unabhängig von der Bedarfsleistung in einem Betriebspunkt hohen Wirkungsgrades arbeitet. Diese Entkopplung der abgegebenen Motorleistung von den benötigten Fahrleistungen wird durch den Elektromotor (Drehmoment) und das Getriebe (Drehzahl) realisiert. Der Verbrennungsmotor arbeitet unter quasi-stationären Leistungsanforderungen kontinuierlich auf einer vorgegebenen Leistungslinie. Falls zum Einstellen eines günstigen Motorbetriebspunktes eine höhere Leistung erforderlich ist, wird der Elektromotor als Generator betrieben. Die dann erzeugte elektrische Energie wird in der Batterie gespeichert. Falls zur Steigerung des Motorwirkungsgrades eine Reduktion der Verbrennungsmotorleistung erforderlich ist, wird die Differenz zur Bedarfsleistung vom Elektromotor erbracht. Abb. 20 zeigt einen Ausschnitt einer solchen (mehrdimensionalen) Strategie, wobei der Verbrennungsmotor kontinuierlich betrieben wird.

Abb. 20

Unter 20 km/h wird rein verbrennungsmotorisch gefahren, wobei der Elektromotor als Booster zugeschaltet werden kann. Zwischen 20 und 130 km/h wird der Verbrennungsmotor auf einer Leistungslinie betrieben, die bei der jeweiligen Geschwindigkeit unter Berücksichtigung des Antriebsstrangwirkungsgrades oberhalb der stationären Bedarfsleistung liegt. Die Leistungslinie ist so ausgelegt, daß der Verbrennungsmotor in Verbindung mit der Schaltstrategie des Getriebes bei niedrigen spezifischen Kraftstoffverbräuchen arbeitet. Bei stationärem Fahren in der Ebene wird ein Leistungsüberschuß durch den Elektromotor zum Laden der Batterie aufgenommen. Dadurch wird der Verbrennungsmotor bei einem höheren Wirkungsgrad betrieben. Bei instationären Fahrsituationen oder Steigungsfahrt wird die nach Überschreiten der Leistungslinie des Verbrennungsmotors benötigte Zusatzleistung durch den Elektromotor bereitgestellt.
Ist die maximale Leistung des Elektromotors erreicht, wird der zusätzliche Leistungsbedarf durch den Verbrennungsmotor übernommen. [BUS94] Bei der Auslegung einer Betriebsstrategie (zweidimensional, mehrdimensional) sind prinzipiell keine Grenzen gesetzt, solange Fahrkomfort und Beschleunigungsvermögen in akzeptablen Grenzen bleiben. Neben konventioneller Logik können auch Fuzzy-Logik und neuronale Nezte eingesetzt werden [BAU98].

Aktuelle Fahrzeugbeispiele

Neben den vielfältigen Forschungsaktivitäten aller Automobilhersteller auf dem Gebiet der Hybridantriebe sind inzwischen zwei Systeme in Kleinserie verfügbar, die im folgenden erläutert werden sollen. Audi hat auf Basis des A4 Avant einen parallelen Hybridantrieb realisiert, welcher auf dem deutschen Markt auf Leasingbasis (Basispreis: 60.000 DM) seit Ende 1997 angeboten wird. Toyota hat im Frühjahr 1997 ein Hybridsystem vorgestellt, welches seit Dezember 1997 in der Serienproduktion ist. Verkauft werden soll der mit dem THS (Toyota Hybrid System) ausgestattete Toyota Prius für umgerechnet 17.000 US$ (ca. 30.000 DM) zunächst ausschließlich in Japan. Innerhalb des ersten Monats sind 3500 Bestellungen eingegangen, wobei ein Großteil dieser Bestellungen sicherlich auf Wettbewerber oder Zulieferer fallen. Der Audi DUO der 3.Generation [PAE97] ist ein paralleler Hybrid, bei dem sowohl der Verbrennungsmotor als auch der Elektromotor auf die Vorderachse wirken (Abb. 21).

Abb. 21

Als Motoren kommen ein 1.9 l Vierzylinder-Turbodieselmotor mit Direkteinspritzung (66 kW) und ein sehr kompakter, speziell für die Anwendung im Audi DUO entwickelter permanent-erregter Synchronmotor (21/35 kW) zum Einsatz. Der TDI-Motor ist hierbei über eine konventionelle Einscheiben- Trockenkupplung mit dem Fünfgang- Schaltgetriebe verbunden. Der Elektromotor ist über ein zusätzlich in das Getriebe integriertes Vorgelege direkt mit der Getriebeeingangswelle verbunden. Die Bleibatterie mit 10 kWh Energieinhalt sowie weitere Elektronikkomponenten sind unterhalb der Ladefläche anstelle der Reserveradmulde untergebracht. Über einen Betriebsartenschalter kann der Fahrer die möglichen drei Modi Diesel-, Elektro- oder Hybridbetrieb wählen. Im reinen Elektrobetrieb sind 50 km Reichweite möglich; die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 80 km/h begrenzt.
Die Reichweite beim Dieselbetrieb beträgt mehr als 700 km, wobei eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h erreicht werden kann. Im Hybridbetrieb erfolgt der Wechsel der Antriebsarten automatisch entsprechend den Anforderungen des Fahrbetriebs. Hierbei sind die beiden Antriebsmaschinen allerdings nur wechselweise im Einsatz. Bei allen Betriebsarten ist der Fahrer ausschließlich für den mechanischen Gangwechsel verantwortlich, die Kupplung wird über ein hydraulisches Kupplungsmanagement automatisiert betätigt. Hierbei wird der Elektromotor zusätzlich zur aktiven Getriebesynchronisation eingesetzt. Das Toyota Hybrid System (THS) ist ein leistungsverzweigender paralleler Hybridantrieb, bestehend aus einem 1,5 l, 4-Zyl., 43 kW leistungsstarken Benzinmotor, der nach dem Atkinson/Miller-Prozeß arbeitet, einem 30 kW permanent-erregten Elektromotor und einem 15 kW Generator (Abb. 22). Verbunden sind diese drei Komponenten über ein Planetengetriebe, welches eine Leistungsverzweigung vornimmt. Der Verbrennungsmotor ist hierbei mit dem Steg, der Generator mit dem Sonnenrad und der Elektromotor einerseits mit dem Hohlrad und andererseits über ein Kettengetriebe direkt mit dem Abtrieb des Systems verbunden (Abb. 23).

Abb. 22


Abb. 23

Das Planetengetriebe verteilt in Abhängigkeit des Betriebszustandes des Fahrzeugs die Leistung des Verbrennungsmotors zu den Rädern oder zum Generator. Dieses ermöglicht, den Verbrennungsmotor möglichst immer auf einer verbrauchsgünstigen Kennlinie zu betreiben. Durch die Verwendung des Planetengetriebes und des Generators arbeitet das System wie ein elektronisch geregeltes IVT und benötigt keine Kupplung. Die Drehzahlsteuerung des Planetengetriebes und somit des Verbrennungsmotors erfolgt über die Regelung der Generatordrehzahl. Der Generator liefert seine Energie entweder direkt zum Elektromotor oder speichert diese in einer 44 kg schweren 1.8 kWh NiMH-Batterie zwischen. Eine Ladung der Batterien über das Stromnetz ist nicht vorgesehen, da die Betriebsstrategie die Batterie möglichst immer in einem bestimmten Ladezustand hält. Der Hybridantrieb im Toyota Prius verfügt grundsätzlich nur über einen Betriebsmodus, in dem die Regelung der Antriebsmaschinen automatisch erfolgt. Ein rein elektrischer Betrieb ist bis auf den Anfahrvorgang bisher nicht eingeplant. Die möglichen Betriebszustände sind in der Abb. 24 zusammengefaßt.

Abb. 24

Toyota gibt für den Prius einen Kraftstoffverbrauch von 3.6 l im japanischen 10-15-Zyklus an. Damit verbunden ist eine Reduktion der CO2 Emission auf 50%, verglichen mit einem konventionell angetriebenen Fahrzeug gleicher Größe. Auch bei den CO und NOx Emissionen werden deutliche Reduktion (ca. 50%) zu einem Vergleichsfahrzeug angegeben, wobei bei den HC Emissionen durch das häufige Starten und Stoppen des Verbrennungsmotors bisher keine Verbesserungen erzielt werden konnten. [SAS97]
Weitere Forschungsfahrzeuge sowohl mit seriellem als auch parallelem Hybridantrieb sind in den Abb. 25 bis 28 dargestellt.

Abb. 25


Abb. 26


Abb. 27


Abb. 28

Zusammenfassung und Ausblick

Ziel von Hybridantrieben ist es alle in ihm enthaltenen Antriebskomponenten aufeinander abgestimmt optimal zu betreiben, wobei im Vergleich zum alleinigen Betrieb einer Einzelkomponente Verbesserungen hinsichtlich Kraftstoffverbrauch und Emissionen erreicht werden können. Hierbei ist eine abgestimmte Dimensionierung aller Komponenten von überaus wichtiger Bedeutung, um die erreichten Kraftstoffverbrauchsvorteile nicht wieder durch Mehrgewicht zu substituieren. Durch eine emissionsoptimierte, z.B. phlegmatisierte Betriebsweise der Verbrennungskraftmaschine lassen sich ebenfalls Vorteile gegenüber einem dynamischen (konventionellen) Betrieb erreichen. Als weitere Vorteile ermöglichen Hybridfahrzeuge die Nutzung der Bremsenergie (Rekuperation), eine begrenzte emissionsfreie Reichweite und eröffnen über die Netzladung auch das Potential zur Nutzung regenerativer Energieträger. Serielle Hybridantriebe können Vorteile bei den Emissionen, jedoch weniger bei der Energieeinsparung erbringen. Gründe hierfür sind einerseits der von der Raddrehzahl entkoppelte Betrieb der Verbrennungskraftmaschine und die somit gegebene Möglichkeit des Einsatzes kontinuierlicher Verbrennungsverfahren (Gasturbine, Stirlingmotor); andererseits sind jedoch durch die mehrfache Energiewandlung (thermisch-mechanisch-elektrisch-mechanisch) Einbußen beim Wirkungsgrad zu erwarten.
Vorteilhaft beim parallelen Hybrid ist der vergleichbar geringere Bauaufwand, teilweise weniger Gewicht und niedrigere Kosten, sowie hohe Wirkungsgrade aufgrund der direkten mechanischen Ankopplung. Von Nachteil sind die geringen elektrischen Fahrleistungen und Reichweiten.
Aufgrund der Komplexität des aufwendigen und auch infolge der Batterie teuren Antriebs ist der Hybridantrieb unter heutigen Bedingungen noch nicht konkurrenzfähig zu konventionellen Fahrzeugen. Der Hybridantrieb besitzt jedoch von der Einsatzfähigkeit und Nutzbarkeit her - anders als Elektrofahrzeuge - ein gleichwertiges Anwendungspotential wie konventionelle Fahrzeuge. Unter dem Druck zunehmender Umweltprobleme und bei entsprechenden politischen und gesetzgeberischen Randbedingungen hat der Hybridantrieb somit das Potential, einen erwähnenswerten Marktanteil zu erreichen.

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