Elektr(on)ik als Basis neuer Fahrzeugtechnologien
Wirtschaftsförderung Region Stuttgart,
Broschüre AutoMotiv Ausgabe 03/2001
Univ.-Prof. Dr.-Ing. H. Wallentowitz, Institut für Kraftfahrwesen Aachen (ika)
Dipl.-Ing. J. Leyers, Institut für Kraftfahrwesen Aachen (ika)
Neuartige Entwicklungen innerhalb der Automobilindustrie sind durch
den zunehmenden Einsatz von elektrischen und elektronischen Systemen
gekennzeichnet. Durch die zahlreichen Technologieentwicklungen in den
einzelnen Fahrzeugteilsegmenten ergeben sich hierbei zum Teil starke
gegenseitige Abhängigkeiten dieser Fahrzeugtechnologien.
Aufgrund der steigenden Anzahl von Komfort- und Sicherheitssystemen
im Fahrzeug wird das herkömmliche 12-Volt-Bordnetz zukünftig nicht
mehr ausreichen. Deshalb wird derzeit das 42-Volt-Bordnetz
realisiert. Durch die damit steigende "elektrische"
Leistungsfähigkeit des Fahrzeugbordnetzes, das durch eine
Starter-Generatoreinheit gespeist wird, können weitere elektrische
Systeme realisiert werden.
Riemengetriebene Systeme, wie z. B. die Wasserpumpe oder der
Klimakompressor werden mittelfristig durch elektrische,
bedarfsgerecht ansteuerbare Aggregate ersetzt. Bei geeigneter
Konstruktion der Starter-Generator-Einheit ist zukünftig ein
sogenannter Klein-Hybrid denkbar. Dabei treibt das 42-V-Bordnetz für
begrenzte Entfernungen das gesamte Fahrzeug an, ohne dass der
Verbrennungsmotor läuft. Während als Antrieb der Verbrennungsmotor
vorerst beibehalten bleibt, besteht zunehmendes Interesse an der
Einführung von Hybridfahrzeugen, bei denen für den Stadtbetrieb z. B.
ein Elektromotor und für den außerstädtischen Einsatz ein
Verbrennungsmotor eingesetzt wird.
Hydraulisch unterstützte Lenksysteme werden durch elektrohydraulische
bzw. elektrisch unterstützte, langfristig aber auch durch elektrische
Lenkungen ersetzt werden. In einem nächsten Entwicklungsschritt wird
es elektromechanische Überlagerungslenkungen geben. Im Bremsenbereich
bestehen Aktivitäten in der Entwicklung von elektrohydraulischen
Bremssystemen. Diese werden langfristig durch elektromechanische
Bremssysteme substituiert. Dann entfällt der periodische Wechsel und
das Recycling von Bremsflüssigkeit.
Durch Navigation und Telefon sowie Internet in Verbindung mit
Fahrerassistenzsystemen entwickelt sich das Fahrzeug zum mobilen
Informationszentrum. Im Hinblick auf den Nutzen dieser eingesetzten
Applikationen muss der Fahrer jedoch von der Fahrzeugführung selber
entlastet werden. Einen Teil dieser Aufgaben wird in Zukunft die
Technik übernehmen müssen. Derzeitig wird daran gearbeitet,
Kollisionswarnungen und selbständige Notfallbremsungen zu
realisieren. Hierbei ergeben sich durch den Einsatz von
Pre-Crash-Sensoren Synergiepotenziale, die zusätzlich eine
intelligente Steuerung der Rückhaltssysteme (Sicherheitsgurt, Airbag)
im Crashfall ermöglichen. Für die Vermeidung von Unfällen sind
weitere Umfeldsensoren, Kameratechniken mit Bildauswertungen und
Zielführungsinstrumente notwendig. Im Hinblick auf das unfallfreie
Fahren, das als maßgebliches Entwicklungsziel anzusehen ist, wird
durch die Bearbeitung dieser Aufgaben eine weitere Innovationswelle
auf das Fahrzeug zukommen. Die zu erbringenden Anforderungen werden
durch die später eingesparten Unfall- und Unfall-Folge-Kosten mehr
als kompensiert.