Ursachen sowie Minderungsmöglichkeiten des Geräuschphänomens "Whoop" bei Fahrzeugkupplungen
Doz. Dr.-Ing. J.W. Biermann,
Dipl.-Ing. A. Reitz,
Lehrgebiet Fahrzeugakustik, Institut für Kraftfahrwesen, RWTH
Aachen
Dr. P. Kelly
Ford Werke AG, Köln
Einleitung
Wirkmechanismen
Minderungsmöglichkeiten
Resümee
Einleitung
Beim Kauf eines Kraftfahrzeugs hat das Kriterium Schwingungs- und
Geräuschkomfort seit einigen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen.
Insofern unternehmen die Fahrzeug- und Komponentenhersteller weltweit
enorme Anstrengungen, diesen Kundenanforderungen gerecht zu werden.
Fahrzeugkupplungen sind an einer Reihe von Schwingungs- und
Geräuschphänomenen beteiligt. Eines dieser Phänomene ist das
sogenannte "Whoop". Wird die Kupplung bei laufendem Motor betätigt -
das Fahrzeug steht, es ist kein Gang eingelegt, so kann es zu diesem
als äußerst störend empfundenen Geräusch sowie zu deutlich spürbaren
Schwingungen im Kupplungspedal kommen. Bis vor einiger Zeit war man
der Ansicht, dass dieses NVH-Phänomen (Noise, Vibration, Harshness)
durch den Reibvorgang zwischen Kupplungsseilzug und Kabelhülle
verursacht wird. Dass diese Vermutung nicht zutrifft, zeigte sich beim
Einsatz hydraulisch betätigter Kupplungssysteme, bei denen dieses
Phänomen ebenfalls auftrat.
Vor diesem Hintergrund wurde am Institut für Kraftfahrwesen Aachen
(ika) in Zusammenarbeit mit der Ford Werke AG Köln ein entsprechendes
Forschungsprojekt mit dem Ziel durchgeführt, die Wirkmechanismen
sowie geeignete Minderungsmaßnahmen aufzuzeigen.
Wirkmechanismen
Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden zunächst umfangreiche
Messungen an einer Reihe von Fahrzeugen durchgeführt. Dabei handelte
es sich um Fahrzeuge verschiedener Hersteller mit
Vierzylinder-Dieselmotor. In Abb. 1 sind beispielhaft die am
Kupplungspedal eines der Fahrzeuge bei einer Motordrehzahl von 2000
U/min gemessenen Schwingungen dargestellt.
Abb.1: Schwingungen am Kupplungspedal bei Betätigung der Kupplung
(n=2000 U/min).
Das Frequenzspektrum auf der linken Bildseite zeigt verschiedene
Motorordnungen, von denen die zweite Motorordnung eindeutig dominiert.
Auf der rechten Seite ist die Autokorrelation des Schwingungssignals
dargestellt. Das Signal wird nach 60 ms wiederholt. Mit der
Motordrehzahl von 2000 1/min ergibt sich die deutlich zu erkennende
Modulationsfrequenz von 17 Hz, die der 1/2. Motorordnung entspricht.
Um zu bestimmen, welches die Ursachen für diese Anregung mit der 1/2.
Motorordnung sind, wurde u.a. die Axialbewegung des Schwungrades an
drei Positionen mit Wegsensoren im Fahrzeug gemessen. In Abb. 2 sind
die entsprechenden Messergebnisse dargestellt.
Abb. 2: Axialbewegung des Schwungrades sowie Zündzeitpunkte der
einzelnen Zylinder; Auskuppelzeitpunkt, 2000 1/min.
Zu erkennen ist, dass die Zündung des vierten Zylinders, der sich in
unmittelbarer Nähe zum Schwungrad befindet, einen großen Einfluss auf
das Schwungrad ausübt. Wie in Abb. 3 skizziert, regt die Gaskraft das
Schwungrad zu einer Taumelbewegung sowie einer Torsionsschwingung an.
Abb. 3: Taumel- und Torsionsschwingung des Schwungrades.
Diese Schwingungsanregungen werden über das Betätigungssystem in den
Innenraum des Fahrzeugs übertragen und dort als Schwingung am
Kupplungspedal sowie als Geräusch wahrgenommen. Zur detaillierten
Untersuchung des Einflusses einzelner Parameter wurde am ika ein
entsprechender Prüfstand entwickelt, bei dem sowohl die Anregung durch
die zweite Motorordnung als auch die Modulation mit der 1/2.
Motorordnung getrennt simuliert werden können. In Abb. 4 ist der
Aufbau des Prüfstands skizziert.
Abb. 4: Konzept des ika-Kupplungsprüfstands.
Zur Vermeidung von maskierenden Schwingungen und Geräuschen, die durch
Verbrennungsmaschinen entstehen, erfolgt der Antrieb des Prüfstandes
mit einem E-Motor.
Minderungsmöglichkeiten
Im Rahmen einer umfangreichen Untersuchung wurden abschließend mit
Hilfe der Taguchi-Methode die Einflüsse verschiedener Parameter
analysiert. Variiert wurden beispielsweise die Masse von Schwungrad,
Anpressplatte und Ausrückhebel (Zusatzdämpfermasse), sowie die Länge
der Hydraulikleitung und die Steifigkeit des Kupplungsgehäuses. In
Abb. 5 sind die Messergebnisse (Pedalschwingungen) für drei
unterschiedliche Systemauslegungen dargestellt. Aus Gründen der
Geheimhaltung sind diese ohne nähere Angaben mit A, B und C
gekennzeichnet.
Abb. 5: Schwingung am Kupplungspedal - Vergleich unterschiedlich
ausgelegter Kupplungssysteme.
Die Systemauslegung A kennzeichnet den Ausgangszustand. Hier treten
die stärksten Schwingungen am Kupplungspedal auf. Das geänderte
Systemdesign B führt zu deutlich geringeren Beschleunigungswerten. Mit
der Variante C wird demgegenüber nur noch eine geringe Verbesserung
erreicht.
Resümee
Im Rahmen des zuvor beschriebenen Forschungsprojektes konnten anhand
von Fahrzeugmessungen und Prüfstandsuntersuchungen die Wirkmechanismen
für das NVH-Phänomen "Whoop" aufgezeigt werden. Auf dieser Basis war
es möglich, gezielte Abhilfemaßnahmen zu entwickeln, die in der
Zwischenzeit bei den Ford Werken Eingang in die Serienfertigung
gefunden haben.