Schutz von Fußgängern bei Pkw-Unfällen

DEKRA Tagung - Neue Tendenzen in der Fahrzeugentwicklung von PKW, 04./05.12.2002, Altensteig-Wart

Dipl.-Ing. Harald Bachem, Institut für Kraftfahrwesen Aachen (ika)

Zusammenfassung:

Durch die fortschreitenden Materialentwicklungen, intelligenteren Bauweisen und die Akzeptanz dieser Entwicklungen durch den Kunden sowie nicht zuletzt durch immer umfangreichere gesetzliche Reglementierungen haben sich die Ansprüche an die Sicherheit von Kraftfahrzeugen ständig erhöht. Nachdem der Schutz der Insassen durch crashoptimierte Fahrzeugstrukturen und verbesserte Rückhaltesysteme bereits deutlich verbessert wurde, sind seit Beginn der 80er Jahre auch im Bereich des Fußgängerschutzes verstärkte Bemühungen zu verzeichnen. Bei der Verbesserung der passiven Sicherheit moderner Automobile kommt dem Schutz von Fußgängern daher eine zunehmende Bedeutung zu.
In dem Vortrag wird zunächst die historische Entwicklung der Gesetzeslage zum Fußgängerschutz dargelegt. Im Anschluss werden Beispiele zur konstruktiven Umsetzung von Maßnahmen zur Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben vorgestellt. Das Schutzpotential der einzelnen Modifikationen für den realen Fußgängerunfall wird diskutiert. Es werden Ergebnisse von Versuchen präsentiert, in denen das quasistatische und dynamische Strukturverhalten von verschiedenen polymeren Schäumen, die für den Einsatz in Stoßfängersystemen geeignet sind, experimentell untersucht wird. In einer umfangreichen Versuchsserie wird insbesondere der Einfluss von Dehnrate und Temperatur gezielt analysiert. Anschließend wird eine Parameterstudie zur Auslegung von fußgängerfreundlichen Stoßfängersystemen unter Einsatz der Finiten Elemente Methode vorgestellt. Die Durchführung der Simulationsrechnungen erfolgt unter Einsatz eines MADYMO-Beinimpactormodells, dass für das Prüfverfahren nach EEVC WG-17 (European Enhanced Vehicle Committee, Working Group 17) validiert wurde. Dazu wird ein Simulationsplan erstellt, in dem die wichtigsten Konstruktionsparameter für das erstellte Stoßfängersystem in sinnvollen Bereichen variiert werden. Die Ergebnisse dienen als Eingangsgröße für Kennfelder, die als Konstruktionsrichtlinie zur fußgängerfreundlichen Optimierung von Stoßfängern herangezogen werden können.