5. Aachener Kolloquium: Fahrzeug- und Motorentechnik
5th Aachener Colloquium: Automobile and Engine Technology
Von Michael Holle, Peter Holdmann, Henning
Wallentowitz
Zusammenfassung:
Der 'Lehrstuhl für angewandte Thermodynamik' und das 'Institut für
Kraftfahrwesen Aachen' der RWTH Aachen veranstalteten in
Zusammearbeit mit dem VDI vom 4. bis zum 6. Oktober 1995 zu
mittlerweile fünften Mal das Kolloquium 'Fahrzeug- und
Motorentechnik'. Über 700 Teilnehmer aus Industrie, Behörden und
Lehre sowie rund 50 Studenten besuchten die Fachvorträge im Eurogress
Aachen und Demonstrationen auf der Teststrecke des Instituts für
Kraftfahrwesen. Traditionell fanden Vorträge zur Fahrzeug- und
Motorentechnik parallel statt. Diese Zusammenfassung beschäftigt sich
mit dem fahrzeugtechnischen Teil des Kolloquiums, der
Motorentechnische Teil wird in der MTZ veröffentlicht werden.
The 'Institute of applied Thermodynamic (LAT)' and the 'Institut für
Kraftfahrwesen Aachen (ika)' of the Aachen University of Technology
organized in corporation with the VDI for the fifth time the
Colloquium 'Automobile and Engine Technology' from 4th to 6th of
October 1995. More than 700 delegates from industry, public body and
universities and about 50 students had the possibility to visit
demonstrations on the testtrack of the Institute of Automotive
Engineering. Traditionally the lectures on automotive and engine
technology were held in parallel sessions. This summary reports on
the automotive-part of the colloquium, the engine part will be
published in the MTZ.
In seinem Vortrag
'Von der Komponente zum System-Entwicklung in der
Nutzfahrzeugtechnik' ging
K.D. Vöhringer (Mitglied des Vorstandes,
Mercedes-Benz AG, Stuttgart) auf die richtige Auslegung von
Nutzfahrzeugen ein. Aufgrund seiner dominierenden Stellung im
Gütertransportwesen ist ein technisch und wirtschaftlich optimal
konfigurierter Antriebsstrang und damit sein Wirkungsgrad sehr
entscheidend. Der Vortrag behandelte die zukünftigen Anforderungen
und die Entwicklungen bei den wichtigsten Einzelkomponenten des
Antriebsstrangs und das Zusammenwirken der Einzelkomponeten durch
Managementsysteme. Vöhringer zuerst die Entwicklung des Güterverkehr
in der Bundesrepublik Deutschland und behandelte anschließend die
einzelnen Komponenten des Nutzfahrzeugs (Motor, Getriebe). Bei den
Managementsystemen wurde unterschieden in Triebstrangmanagement,
Fahrwerkmanagement, Transport- und Flottenmanagement sowie
Metamanagement. Der Ausblick zeigte, daß in Zukunft vermehrt immer
dann elektronische Intelligenz erforderlich ist, wenn auf
konventionellem Wege eine deutliche Systemoptimierung nicht mehr
möglich ist.
In
'Herausforderungen und Trends bei der Planung und Entwicklung von
Kraftfahrzeugen für das nächste Jahrzehnt' wies
A. Caspers
(Vorstandsvorsitzender Ford-Werke AG und Chairman Ford of Europe) auf
die vielschichtigen Trends und politischen sowie technologischen
Ungewißheiten hin, denen wir uns kurz vor der Jahrtausendwende
gegenübersehen. Seit den siebziger Jahren mußten sich die Europäer
einer Herausforderung stellen, die er mit dem Begriff 'japanische
Herausforderung' bezeichnet. Auf die japanische Herausforderung folgt
seit Anfang der neunziger Jahre der Wechsel der traditionellen Märkte
in Europa und Nordamerika sowie die Krise der japanischen Wirtschaft.
Bei der weltweiten Automobilnachfrage ist mit einem Rückgang des
Wachstums von 2,6% (achtziger Jahre) auf ca. 2% (neunziger Jahre) zu
rechnen, wobei 70% des Wachstums in den Staaten des asiatischen
Wirtschaftraums, in Lateinamerika und anderen Schwellenländern zu
erwarten sind. Zu den gegenwärtig wichtigsten Gesichtspunkten zählt
das Kostenniveau in der Produktion. Neben den großen
Automobilunternehmen selber betrifft die Kostensituation als
entscheidendes Wettbewerbskriterium auch die Zulieferindustrie, deren
Wertschöpfungsanteil sich in den kommenden Jahren von derzeit 50% auf
über 80% erhöhen wird. Als Reaktion der Automobilindustrie auf die
beschriebenen Trends stellt Caspers daher die
Globalisierungsstrategie 'Ford 2000' vor. Zu den Kernpunkten zählt:
Doppelaktivitäten in Design und Entwicklung, aber auch bei
Produktions- und Produktinvestitionen vermeiden-
die besten Entwicklungs-, Fertigungs- und Einkaufsprozesse
weltweit standardisieren
frei werdende Entwicklungskapazitäten gezielt nutzen, um Lücken
im Modellangebot zu schließen, Modellzyklen zu verkürzen und
die Entwicklung höherwertiger Fahrzeuge zu ermöglichen.
Unkonventionelle Ideen zur Fahrzeugentwicklung sowie
Fahrzeuggestaltung aus Faserverbundwerkstoffen (mit Stoßgürtel) sind
von
M. Horlacher (Horlacher AG, Möhlin, Schweiz) vorgetragen worden.
Unter dem Titel
'Wenn die Natur das Auto gemacht hätte ...' wurde
gezeigt, wie sich natürliche Formen entwickelt haben und wie diese
auch für ein Automobil verwendet werden können. Dabei zielte Herr
Horlacher vor allem auf kleine Fahrzeuge ab. Die vorgestellten Crash-
Ergebnisse haben die Zweckmäßigkeit der dargestellten Vorgehensweise
einprägsam unter Beweis gestellt.
Kleine Fahrzeuge hatte auch der Beitrag von
J. Tomforde
(Geschäftsführer, Micro Compact Car, Renningen) zum Thema. Mit
'Smart-Swatch Car concept by Mercedes-Benz: Mit einem neuartigem
Konzept auf dem Weg zur umweltgerechten Mobilität' zeigte er zunächst
die realistischen Stellschrauben auf, die zur Bewältigung heutiger
und künftiger Verkehrsprobleme existieren. Entsprechend der erkannten
Notwendigkeit zur Sicherung der individuellen urbanen Mobilität
konzentrierte sich der Vortrag auf fahrzeugtechnische Lösungsansätze
für einen umweltverträglichen Verkehr. Tomforde ging insbesondere auf
die kunden- bzw. käuferrelevanten Kriterien ein, die bei der
Entscheidung für ein Verkehrsmittel im Mittelpunkt stehen - die
Rationalität und die Emotionalität. Dazu wurde das Konzept des Smart-
Projekts selbst und das MCC-Mobilitätssystem vorgestellt.
Anschließend wurde auf die organisatorischen und firmenspezifischen
Ansätze eingegangen, die zur Schaffung der Smart-Philsosophie geführt
haben.
Der Grad der Luftverschmutzung hat in allen Gebieten der Erde in den
letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und vielfach die Grenzwerte
überschritten.
M. Incardona (IVECO SpA, Turin ) stellte in diesem
Zusammenhang eine Projektstudie der Firma IVECO vor. In dem
Vortrag
'Ein Nutzfahrzeug mit Elektro-Hybrid-Antrieb für
innerstädtische Einsatzzwecke' berichtet er über ein Konzept zur
Minderung der Umweltbelastung durch Nutzfahrzeuge. Es handelt sich
dabei um ein Fahrzeug das sowohl über einen Elektro- als auch über
einen Hybridantrieb verfügt und somit für den innerstädtischen
Betrieb gut geeignet ist.
Im Beitrag von
H.-J. Lutz, K.G. Bürger, D. Hackett und
U. Knappenberger (Robert Bosch GmbH, Schwieberdingen)
'Optimierung des
Strömungsgeräusches von PKW-Generatoren. Ein Beitrag zur Senkung der
Schallemission des Antriebsaggregats' wurde zunächst eine kurze
Beschreibung des Geräuschverhaltens von Generatoren gegeben. Es
wurden Ergebnisse aus Studien der FEV-Motorentechnik und der
Forschunsgesellschaft Kraftfahrwesen mbh Aachen bzgl. des Einflusses
des Generators auf das Motorgeräusch bzw. das Fahrgeräusch
dargestellt. Anschließend wurden die Vorgehensweise und die konkreten
Maßnahmen zur Absenkung des Stömungsgeräusches von Generatoren
beschrieben. Es wurde abschließend ein Ausblick auf alternative bzw.
zukünftige Möglichkeiten zur Geräuschsenkung von Generatoren gegeben.
J. Bukovics (Audi AG, Ingolstadt) berichtete in seinem Vortrag
'Massenkräfte des Ventiltriebs, Auswirkungen auf das
Fahrzeuginnengeräusch und Verbesserungsmaßnahmen' von der Auswirkung
dieser Massenkräfte auf die Fahrzeugakustik am Beispiel der
Entwicklung des Audi A8. Die freien Massenkräfte des Ventiltriebes
eines Verbrennungsmotores nehmen in vielen Fällen gegenüber denen des
Kurbeltriebes eine untergeordnete Bedeutung ein. In diesem Beitrag
wurde am A8-Motor, dessen Kurbeltrieb sehr ausgeglichen läuft,
gezeigt, daß der Ventiltrieb die wesentlichste Körperschallanregung
im Brummfrequenzbereich unter 200 Hz darstellt. Es wurde erlätert,
welche Alternativen sowohl am Triebwerk als auch am Fahrzeug zur
Verfügung stehen, um diese Auswirkungen zu reduzieren.
Aus einer Zusammenarbeit von
E. Schröder und
A. Schuch (Ford-Werke AG, Köln) und J.W. Biermann und
B. Hagerodt (Institut für Kraftfahrwesen Aachen) stammte der Beitrag
'Experimentelle
Untersuchung lastwechselbedingter Bewegungen und Geräusche von
Antriebssträngen'. Pkw Antriebsstränge mit handgeschalteten Getrieben
sind im Fahrbetrieb verschiedenen dynamischen Anregungen ausgesetzt.
Neben den stationären Anregungen - Drehungleichförmigkeit des
Verbrennungsmotors - gibt es lastwechselbedingte instationäre
Anregungen. Bei diesen Lastwechseln entstehen durch Anlagewechsel
spielbehafteter Einzelkomponenten der Antriebsstrangkette kurzzeitige
Clonk-Geräusche. Nach einer kurzen theoretischen Einführung in das
Schwingungsverhalten von Antriebssträngen wurde eine Meßmethode zur
detaillierten Untersuchung der Geräuschursachen vorgestellt.
Ausgehend von den Meßergebnissen wurden zwei Ansätze verglichen, die
die impulsbedingte Bauteilbewegung innerhalb des Getriebes als für
das Geräusch verantwortlich nachweisen.
Zum Thema
'Einfluß der Antriebsgelenkwelle auf das Standschütteln
frontgetriebener Pkw' lieferten
J. Sellschopp und
J. Maretzke
(Volkswagen AG, Wolfsburg),
J.-W. Biermann (Institut für
Kraftfahrwesen Aachen) und
M. Mitschke (Institut für Fahrzeugtechnik,
Braunschweig) einen Beitrag. Das Standschütteln von frontgetrieben
Fahrzeugen mit Längsmotor läßt sich durch den Einsatz reibungsarmer
Tripode-Verschiebegelenke in den Antriebsgelenkwellen deutlich
verringern. Bei frontangetriebenen Fahrzeugen mit Quermotor wurde
dagegen das Standschüttelverhalten beim Einsatz von Tripode-Gelenken
nur leicht verbessert. Untersuchungem haben gezeigt, daß die
Antriebsgelenke je nach Bauart z.T. erhebliche Unterschiede im
Verschiebewiderstand aufweisen. Besonders auffällig sind hierbei die
Kugelgelenke, deren Verschiebekräfte im Stand ca. 10 bis 20 Mal höher
sind als die der untersuchten Tripode-Gelenke.
Neben motorischen Maßnahmen ist die Reduzierung der Karosseriemasse
ein wesentlicher Ansatz zur Verringerung des Kraftstoffverbrauchs und
der Emissionen von Kraftfahrzeugen. Allerdings führen gesteigerte
Anforderungen an Funktionalität, Fahrkomfort und Fahrsicherheit trotz
verringerter Karosseriemasse zu einer insgesamt steigenden
Fahrzeugmasse. Zu diesen Zusammenhängen
'Leichtbau im Karosseriebau :
Werkstoffe und Bauweisen' erläuterte
H. Adam (Forschungsgesellschaft
Kraftfahrwesen Aachen). Insbesondere bei der Karosserie müssen
zusätzliche, effiziente Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung umgesetzt
werden, damit die angestrebten hohen Zielwerte bzgl. Minderung von
Kraftstoffverbrauch und Emissionen erreicht werden. Dafür bietet sich
neben dem stofflichen Leichtbau mit modernen Werkstoffen geringer
Dichte (Aluminium, Magnesium, Faserverbundwerkstoffe) der
gestalterische Leichtbau zur optimalen Werkstoffausnutzung und
beanspruchungsgerechten Dimensionierung an.
In Fortführung der Überlegungen von Herrn Adam stellte
G. Schönleber
(Linde+Wiemann Composite Gmbh, Dillenburg) einige
'Anwendungsbeispiele für Faserverbundwerkstoffe im Automobilbau' vor.
Der Zwang zur Reduzierung des Fahrzeuggewichts erfordert es, daß auch
bei der Karosserieentwicklung neue Wege hinsichtlich der
Werkstoffauswahl beschritten werden müssen. Die Entwicklung von
Faserverbundwerkstoffen mit thermoplastischen Matrixsystemen und der
dazugehörigen Fertigungstechnik eröffnet die Möglichkeit, daß diese
Leichbaumaterialien zukünftig auch für Großserienanwendungen im
Automobilbau zur Verfügung stehen. Beispiele möglichen FVW-
Leichtbauteile, wie Stoßfängerträger, Sitzlehnen und Außenhautteile,
selbst komplette FVW-Leichtbaustrukturen haben das
Anwendungspotential der Faserverbundwerkstoffe im Hinblick auf eine
Großserienproduktion im Automobilbau aufgezeigt.
Die
'Ergonomische und technische Optimierung des Fahrerarbeitsplatzes
im Linienbus' behandelt der Beitrag von
A. Grösbrink (BG Bahnen,
Hamburg) und
M. Marx (vormals Institut für Kraftfahrwesen, Aachen, nun
Evo-Bus GmbH, Ulm). Im Rahmen des interdisziplinären
Forschungsprojektes 'Fahrerarbeitsplatz im Linienbus' wurde nach
ergonomischen, technischen, betrieblichen und wirtschaftlichen
Gesichtspunkten der Fahrerarbeitsplatz neu gestaltet. Das
Gesamtergebnis zeigt beispielhaft, wie erfolgreich eine
Zusammenarbeit von Betreibern, Herstellern, Institutionen und
Wissenschaftlern sein kann, wenn ein gemeinsames Ziel verfolgt wird.
Der neue Fahrerarbeitsplatz bildet einen Konsens aus den Vorgaben der
Wissenschaftler, den Erwartungen der Betreiber und Institutionen
sowie den Anforderungen der Hersteller.
Zum Thema
'Dämpfung mit Schwingungsabsorber und Antidröhnbelag' hielt
O. Bschorr (Daimler Benz AG, Ottobrunn) einen Vortrag. Am
Kraftfahrzeug wirkende Wechselkräfte regen die Struktur zu
Schwingungen an und strahlen sekundär Lärm ab. Die Mittel, um diese
Lärmart - den stucture-borne-noise - zu dämpfen, sind z.B. in der
VDI-Richtlinie 3727:
'Schallschutz durch Körperschalldämpfung'
zusammengestellt. Im wesentlichen sind dies Antidröhnbelag, der
eingezwängte Belag und der Schwingungsabsorber. Dazu wurden im
folgenden Aufbau, Wirkungsweise und Dimensionierung des
Schwingungsabsorbers und des 'metallischen' Antidröhnbelages
beschrieben, die beide im Akustik-Labor Ottobrunn entwickelt wurden.
Bei Schienefahrzeugen befinden sich die Schwingungsabsorber seit über
zehn Jahren im Einsatz. Radabsorber im ICE-Zug verringern die
Lärmabstrahlung bei 200 km/h um 8 dB(A).
Die Luftfedertechnologie hat sich bei Bussen, Lkw und bei modernen
Schienenfahrzeugen ein bedeutendes Marktsegment erobert. Der für Pkw
in Europa mehrfach versuchte Einsatz als volltragende oder
teiltragende Luftfeder zur Niveauregulierung scheiterte bislang an
durch Bauraum- und Kostenprobleme.
M. Swoboda (Continental AG,
Hannover) berichtete von neuesten Technologieentwicklungen auf dem
PKW-Luftfedersektor, die den
'Luftfedersystemen in
Personenkraftwagen' eine neue Marktchance eröffnen. Anhand der
Vorteile eines Luftfedersystems mit Niveauregulierung zeigte er auf,
für welche Fahrzeugtypen sich der Luftfedereinsatz eignet. Generell
förderlich für den Einsatz der Luftfedersysteme ist der Trend zum
Leichtbau von Fahrzeugen ohne Abstriche in der Zuladung.
Trotz guter Ergebnisse, die mit elektronisch gesteuerten
Hinterradlenksystemen in der Vergangenheit erzielt wurden, blieben
die Anfang der 90'er Jahre erwarteten Serienerfolge auf dem
europäischen Markt aus. Das ausschlaggebende Kriterium dafür waren
die hohen Herstellkosten dieser Systeme.
'Aktive Hinterradlenksysteme
- Ökonomie und Technik, ein Spannunngsfeld?' ist daher Titel des
Beitrages von
B. Scheider und
R. Neuhaus (Mannnesmann Rexroth Gmbh,
Lohr). Marktanalysen und Technologierecherchen zeigen Wege einer
marktgerechten Aktuatorkonzeption. Es bestätigt sich einerseits die
wirtschaftliche Machbarkeit von aktiven Hinterradlenkungen mit
elektro-hydraulischer Signalumsetzung für die Fahrzeugoberklasse
(Kleinserieneinsatz), andererseits zeigt sich für die Mittelklasse
(Großserie) eine deutliche Preisdifferenz zwischen dem Soll- (Markt)
und dem Istpreis (Kalkulation). Ein Erreichen des Sollpreises auf
Basis der vorgestellten AHK-Technologie ist für diese Fahrzeugklasse
bisher nicht erreichbar.
H. Leffler (BMW AG, München) stellte
'ASC und DSC - BMW-
Stabilitätssysteme zur weiteren Verbesserung der Aktiven Sicherheit'
vor. Die Durchdringung der verschiedenen Fahrzeug-Baureihen mit ABS
ermöglichte die Entwicklung von Schlupfregelsystemen, die die
Traktionserhöhung und Fahrzeugstabilisierung bei fahrdynamischen
kritischen Situationen zum Ziel hat. Über unterschiedliche
Entwicklungsstände hat sich die ABS-integrierte Baureihe
durchgesetzt, die ihrerseits über Schnittstellen-Standardisierung
breite Einsatzmöglichkeiten für zusätzliche Systeme eröffnet.
Schlupfregelsysteme, die neben der reinen Längsschlupfreglung auch
den Querschlupf berücksichtigen, sind bei BMW in unterschiedlichen
Ausführungsformen entwickelt worden und finden ihren derzeitigen
Höhepunkt in aktiven Stabilitätsreglern, die die Einhaltung der
fahrphysikalischen möglichen Grenzbereiche immer exakter ermöglichen.
Das
'Fahrwerk des Audi A4' behandelt der Beitrag von
A. Müller und
B. Heißing (Audi AG, Ingolstadt). Der Audi A4 besitzt eine fast
vollständig vom A8 übernommene Vorderachse. Die Vierlenker-
Vorderachse minimiert den Einfluß der Brems- und Antriebskräfte auf
das Lenksystem und erreicht eine hohe Lenkpräzision. Der hohe
Fahrkomfort wird durch die elastokinematische Auslegung der Achsen
und das optimierte Schwingungsverhalten erreicht. Das Fahrverhalten
ist leicht untersteuernd und auch im Grenzbereich stabil. Die
elektronische Differentialsperren und die Antriebsschlupfreglung sind
weitere technische Ausrüstungen zur Verbesserung der Fahrsicherheit.
Der
Lehrstuhl für Energiewirtschaft und Kraftwerkstechnik untersucht
im Rahmen des Sonderforschungsbereichs
'Umweltfreundliche
Antriebstechnik für Fahrzeuge' an der
TU München die Auswahl eines
geeigneten Batteriesystems für ein zu entwickelndes Hybridfahrzeug.
Im Beitrag von
J. Angloher und
H. Schäfer (
Lehrstuhl für
Energiewirtschaft und Kraftwerkstechnik, München) ging es dabei
speziell um die'Untersuchung eines Ni/Cd-Batteriesystems für den
Einsatz in einem Hybridfahrzeug'. Zur Untersuchung der prinzipiellen
Eignung des vorgesehenen Ni/Cd-Batteriesystems X35 wurden praxisnahe
Lastprofile am Batterieprüfstand nachgefahren. Der geringe
Innenwiderstand des Systems ermöglicht die geforderten Lade- und
Entladeleistungsspitzen. Die Ergebnisse qualifizieren dieses
Batteriesystem für den Einsatz in Fahrzeugen mit hohen
Leistungsanforderungen. Die für den Nutzungsgrad entscheidenden
Einflußgrößen (Innenwiderstand, Selbstentladung, Gasung) wurden
bestimmt. Dabei zeigte sich, daß durch die geplante Betriebsweise
vergleichsweise hohe Batterienutzungsgrade erreicht werden. Die
Energiedichte des Batteriesystems hingegen bleibt hinter den
Erwartungen zurück.
'Die Umweltinitiative der Deutschen Telekom AG - Maßnahmen am
Fuhrpark und Flottentest' war der Titel des Beitrages von
H. Edingloh, J. Krämer (Deutsche Telekom AG, Bonn) der in Zusammenarbeit
mit J.W.
Biermann und C. Renner (Institut für Kraftfahrwesen, Aachen)
erstellt wurde. Aus den Aufgaben und der Größe des Unternehmens
leitet die Deutsche Telekom ihre Verantwortung und damit die
Notwendigkeit des aktiven und präventiven Umweltschutzes ab. Als
Betreiber einer der größten zivilen Fuhrparks in Europa hat die
Telekom daher eine Umweltinitiative im Fuhrpark ins Leben gerufen.
Schwerpunkte dieser Initiative sind die deutliche Reduzierung des
Schadstoffausstoßes durch Sofortmaßnahmen, ein Flottenversuch für
Fahrzeuge mit umweltfreundlichen, zukunftsorientierten Antrieben und
die Förderung von Forschungsarbeit auf dem Gebiet innovativer,
umweltfreundlicher Antriebssysteme. Ziel dieser Maßnahme ist es, die
Schadstoffemissionen bis zum Jahr 2000 um 25% zu reduzieren.
Zukünftige Fahrzeugantriebe müssen einer Vielzahl von Anforderungen
genügen. Seit langem sind Schadstoffemissionen und
Kraftstoffverbrauch die dominanten Themen bei der Entwicklung von
Antriebssystemen. Eine immer größer werdende Rolle spielen die mit
zunehmendem Energieverbrauch steigenden CO2-Emissionen und deren
Beitrag zum Treibhauseffekt. Durch ständige Verbesserungen an
Fahrzeugen mit konventionellem Diesel- und Ottomotor wird diesen
Anforderungen Rechnungen getragen. Eine besondere Herausforderung an
die Automobilindustrie stellt jedoch die kalifornische Gesetzgebung
mit ihrer Forderung nach Fahrzeugen mit Null-Emission (Zero-Emission-
Vehicle) dar. Das ZEV wird nach heutigem Kenntnisstand ein
Elektroauto sein. Neben den Batterie-Elektrofahrzeugen könnte das
Brennstoffzellen-Elektrofahrzeug eine Alternative darstellen. Zu
diesem Thema lieferten
K. E.
Noreikat, M. Krämer und
J. Willand
(Daimler-Benz AG, Stuttgart) den Beitrag
'Anforderungen des Kunden
und technische Voraussetzungen für ein Brennstoffzellen-Auto'. Die
Brennstoffzelle hat das nötige Enwicklungspotential, um den
Anforderungen eines ökologischen Fahrzeugantriebes der Zukunft
gerecht zu werden.
Zum Thema
'Batterie-Test und Batterie-Simulation für
Elektrotraktionsanwendungen' erarbeiteten
A. Meissner(Digatron
Industrie-Elektronik GmbH, Aachen) und R. Bady (Institut für
Kraftfahrwesen Aachen) einem Beitrag. Mit Geräten von Typ EVT wurden
bereits in der Vergangenheit Elektrofahrzeugbatterien zur Ermittlung
ihrer Parameter getestet. Mit einer erweiterten Anlage ist nun auch
die Simulation einer Elekrofahrzeugbatterie (Batterie-Emulation)
unter Vorgabe der wichtigsten ermittelten oder bereits bekannten
Parameter möglich. Erreicht wurde dies durch einen Leistungssteller
und Prüfsoftware von Digatron sowie deren Einbindung in ein
Testsystem mit Rollen- und Antriebsstrangprüfstand des ika und den
zugehörigen Batterie-Test- und Simulationsprogrammen im Institut für
Kraftfahrwesen. Mit dem vorgestellten Batterietest- und
Simulationssystem steht ein komplexer Prüfstand für Batterien und
eine Anlage zur Versorgung von E-Fahrzeugen auf den Prüfständen zur
Verfügung. Mit Strömen bis zu 400 A und Spannung bis zu 550 V sind
hohe Leistungen verfügbar, die heute und zukünftig die Anforderungen
erfüllen können.
Eine Optimierung der individuellen Mobilität hinsichtlich
Zeitaufwand, Energieeinsatz und Komfort setzt eine umfassende
Kenntnis sowohl der Transportmöglichkeiten als auch ihrer aktuellen
Auslastung voraus. Die Bereitstellung und Nutzung entsprechender
Informationen enthält ein erhebliches Potential zur Bildung der
jeweils günstigsten Transportkette. Anderseits ergeben sich daraus
Anforderungen an die Zugänglichkeit und Handhabbarkeit solcher
Informationen.
G. Reichart und
G. Obert (BMW AG, München) berichteten
in ihrem Vortrag
'Personal Travel Assistant - Ein neues Konzept zur
persönlichen Mobilitätsplanung im intermodalen Transport' von einem
neuartigem Systemkonzept, das basierend auf einem portablen Terminal
mit metaphernorientierter Benutzeroberfläche sowie agentenbasierender
Kommunikationsschnittstellen zur Lösung der angesprochenen Aufgabe
beitragen kann.
Verkehrsflußsimulationen ermöglichen in erheblichen Umfang
Untersuchungen im Bezug auf das Fahrerassistenzsystem ACC (Autonomous
Cruise Control). In diesem Zusammenhang wurde die Arbeit 'Der
'Intelligente Tempomat' - Eine Analyse mit dem Simulationsprogramm
PELOPS' durchgeführt, über die J. Ludmann, (Institut für
Kraftfahrwesen Aachen) berichtete. Das hier untersuchte ACC-Konzept
basiert auf einer Steuerung von Drosselklappe und Bremse, die durch
einen konventionellen Regelalgorithmus verstellt werden. Ein
wesentlicher Aspekt der Regelstrategie ist der Bezug zum
Fahrerverhalten, der einen Regler erfordert, der bei höheren
Frequenzen Regelabweichungen zuläßt. Bisherige Konzepte sind noch
nicht kolonnenstabil, wodurch Geschwindigkeitsänderungen
vorausfahrender Fahrzeuge verstärkt werden. Neben der
Kolonnenstabilität ist für die Funktionalität des ACC wesentlich, daß
der Abstandssensor das relevante Hindernis erfaßt. Hierbei sollte die
Strahlgeometrie des Abstandssensors an die Streckengeometrie angepaßt
sein, da die Häufigkeit falsch erfaßter Ziele deutlich zunimmt, wenn
die Stahlengeometrie unpassend konzipiert ist.
G. Willmerding, F. Trübswasser und
J. Häck (Steinbeis-
Transferzentrum, Ulm) stellten
'Ein Simulationsprogramm zur
Vorhersage von Kraftstoffverbrauch und Emissionen unter Einbeziehung
des Verkehrsflusses' vor. Es besteht aus einem Simulationsmodell für
den Antriebsstrang, einem Meßfahrzeug, einem Fahrermodell und einem
Verkehrsmodell für Autobahnen. Der Einsatz des Modells wird am
Beispiel der Simulation eines LKW im Verkehr mit verschiedener
Verkehrsdichte gezeigt. Der Einsatz des Modells in den letzten 10
Jahren hat gezeigt, daß Vorhersagen des Kraftstoffverbrauchs auch
quantitativ ausreichend genau möglich sind, wozu allerdings
umfangreiche Eingabedaten erforderlich sind. Die vergleichsweise
geringen Kosten einer Simulation und die zunehmende Komplexität von
Antriebssträngen wird zu einem verstärkten Einsatz von
Simulationssystemen führen. Dabei ist auch zu erwarten, daß die
Simulationswelten 'Antriebsstrang- und Fahrzeugsimulation' und
'Verkehrssimulation' noch enger zusammenwachsen werden.
U. Seifert (Mitglied des Vorstandes der Volkswagen AG, Wolfsburg)
berichtete im letzten Beitrag des Kolloquiums über
'Tendenzen in der
Weiterentwicklung von Personenkraftwagen'. Aufgrund der
widersprüchlichen Forderungen an das Automobil waren die
Anforderungen an die Ingenieure noch nie so hoch wie heute. Da die
Verbrauchsreduzierung in der nächsten Dekade im Vordergrund stehen
wird, ist es wichtig, den Antriebsstrang zu optimieren. Allerdings
werden auch Maßnahmen zum Leichtbau an Bedeutung gewinnen Die
Funktionen des Automobils werden in fast allen Bereichen durch
fahrzeuginterne Steuer- oder Regelungsfunktionen auf verschiedenen
Ebenen beeinflußt, die zu Netzwerken zusammenwachsen. Zu den hohen
Ansprüchen an das Automobil zählt Kundenakzeptanz, Abgas- und
Geräuschemissionssenkung, Komfort, Kosten , Integration in
Verkehrssysteme, Fahrleistung und Fahrfreude.
Zusammenfassend hat das "5. Aachnener Kolloquium Fahrzeug- und
Moterentechnik" in den heute wesentlichen Bereichen den Stand von
Forschung und Entwicklung zusammengefaßt. Vorführungen auf dem
Testgelände und persönliche Diskussionen im Rahmen der begleitenden
Ausstellung haben die Veranstaltung ergänzt, zu der wir durchweg
positive Resonanzen erhalten haben.